Die Probleme werden mittlerweile immer offenkundiger und durch deutliche Anpassungen der Gewinne auch in den Unternehmensbilanzen sichtbar. Selbst sehr solide aufgestellte Unternehmen wie Toyota müssen nun operative Verluste (ca. 1.2 Mrd. für 2008/2009) in Aussicht stellen. Dies ist einmalig in der Geschichte dieses Unternehmens, was bereits seit 1940 existiert. Die Börse verarbeitet dennoch schlechte Nachrichten zunehmend in einem Umdeutungsprozess mit der Formel: Um so schlimmer die Nachrichten, um so besser kann es eigentlich nur noch werden.
Das Problem dieser Krise ist aber, dass es keine normale Rezession ist, sondern aufbaut auf eine extreme Verschuldung insb. der USA, dessen Handlungsspielraum sich zwischen Deflation, Inflation und US$-Zusammenbruch bewegt und einer beispiellosen Kreditklemme. Die Erfahrungen der Japaner und aus der großen Wirtschaftskrise der 30er zeigt zudem, dass eine begleitende Bankenkrise eine Rezession, sowohl in der Intensivität als auch in der Zeitdauer deutlich ausdehnt. Die Hoffnung der Börse mit einem Vorlauf von 9 Monaten das Ende der Rezession jetzt bereits spielen zu können, dürften sich sehr schnell in Luft auflösen. Die Problempyramide ist nach meiner Deutung in derartig simpler Form zu beschreiben:

Sie beschreibt somit eine fundamentale Sichtweise, die zeigt, dass die Gesamtprobleme erst mit dem Finden von Antworten und Aktionen in der Basis gelöst werden können. Alles andere wird vielleicht die Schmerzen kurzfristig lindern, die Pyramide aber weiterhin nicht auf stabile Fundamente setzen können. Die Problemlösung ist daher aus meiner Sicht auch auf keinem Fall beim Konsumenten zu suchen, sondern sollte in einem Delevarage (Entschleunigung der Kreditfinanzierung) und dem zeitlich befristeten staatlichem Eingriff in das Bankensystem zum Lösen der Kreditklemme durch Zwangsvergabe von Krediten gelöst werden. Wenn der Staat für die Banken bürgt, so sollte er dessen grundlegende Aufgabe auch zwangsweise sicherstellen können. Erst dann wird es Mittelständischen- wie Großunternehmen wieder möglich sein, die Vorlauffinanzierung von Projekten und interne Refinanzierungen durch Kredite sicherzustellen wie bisher. Erst am Ende kann es um Konjunkturprogramme gehen, die nur in Einzelfällen sinnvoll erscheinen, wenn diese zeitlich strukturelle Probleme angehen wie z.B. Energieversorgung und Bildung. Deren Erfolg ist dann aber niemals kurzfristig zu finden, sondern zielt auf eine nachhaltige Lösung ab. Meiner Meinung nach tut die Bundesrepublik daher gut daran, deren Konjunkturprogramme genau abzugleichen mit der Notwendigkeit der Entschuldung und der Wahrung der finanziellen Handlungsfähigkeit.
Hier zum Abschluss auch noch ein kleines Diagramm zur Auswertung der Marktentwicklungen:

Prognose für 2008
Wie wird es nun weitergehen. Ehrlich gesagt keine Ahnung. Wenn ich einmal die Argumente auf eine Waage stellen, dann fällt mir zunächst folgendes ein. Das Auswuchten der Waage muss aber ohnehin jeder für sich selbst vornehmen. Ich selbst tendiere für Q1/2009 für eine klare Shortposition und erst mit eventl. echten positiven Nachrichten in der Bekämpfung der Kreditklemme und der Immobilienblase in den USA, kann es wieder aufwärts gehen. Problematisch bleibt weiter wielange ausländische Investoren den US$ noch oben halten. Sollte dieser kippen, wird alles kippen und wir haben dann Zeit das "Gute Nacht Lied" zu singen.
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