Es wird aus meiner Sicht Zeit einen neuen Status zu finden. Die Shortstrategie hat sich als goldrichtig erwiesen, auch wenn ich diese im Depot nicht voll ausnutzen konnte. Der Respekt vor einem technischem Rebound und staatlichen Eingriffen war teilweise nicht unberechtigt, da meine üblichen KO-Scheine mit der aktuellen Volatilität schlicht ausgeknockt worden wären. Ich habe daher immer nur Intraday versucht Wellen zu reiten. Die Tagesschwankungen waren dabei auch innerhalb der großen Indizes so enorm, dass man mit kleinem Hebel bereits sehr viel Geld verdienen konnte. Es mussten einem selbst nur einige grundsätzliche Eigenschaften des aktuellen Marktes bewußt sein. Die Angst und die Gier gaben sich gegenseitig in immer kürzer werdenden Abständen die Hand. Die Bewegungen waren dabei teilweise mit +5->-5% so stark, dass man bei vernünftigen Money-Management beinahe zwangsläufig ausgestoppt worden ist. Dies selbst ist nicht schlimm, nur man musste den Mut haben immer wieder Testpositionen in den Markt zu legen und auch bereit sein, einige Testpositionen zu verlieren um dann bei einer Welle diese dann mit engen Trailing-Stopps zu reiten. Völlig unmöglich war für mich das Overnight-Trading, da die in der Nacht gemeldeten neuen Meldungen bereits vorbörslich bereits mit Eröffnung des vorbörslichen Handels so stark eingepreist waren, dass bereits empfindliche Verluste zu verzeichnen gewesen wären. Dies gilt insb. da ich zunehmend starke Hebel verwendet habe, um von den sehr kurzfristigen Schwankungen ausreichend profitieren zu können.
Wie auch immer dass aktuelle Musterdepot findet sich unter:
Musterdepot Shareholder R/2Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden, da ich vermieden habe mich auf eine Position zu versteifen, sondern immer die Position im Markt abgewartet habe und erst dann diese Position verfolgt habe.
Aktuelles BörsengeschehenDas aktuelle Geschehen ist einmalig in der bisherigen Geschichte der weltweiten Finanzwirtschaft. Es fällt zur Zeit ein Dominostein nach dem anderen, wobei die Abstände zwischen dem Kippen der Steine immer kleiner wird.
Hier eine sehr grobe einfache Zusammenfassung der letzten Ereignisse:

Die neueste Verzweifelungstat des US-Finanzministeriums (was allerdings vom Kongress bis Stand heute noch nicht abgesegnet worden ist) sieht eine Auffanggesellschaft von 700 Mrd. US$ vor und soll faule Kredite aus den Bilanzen der angeschlagenen US-Banken nehmen. Was bisher aber oft übersehen wird, ist dass selbst bei kompletter Nutzung des Volumens durch die Banken, am Ende nur 27 Mrd US$ zur eigentlichen Stärkung der Eigenkapitalquote übrig bleibt. Dies ist dem Leverage von 25 zu verschulden, d.h. dem Verhältnis von Schulden zum Eigenkapital. Fast alles ging somit zur Schuldentilgung drauf. Das aktuell betriebene Deleveraging der Banken wird hier zu einer weiteren Verschärfung der Situation beitragen, da der Wirtschaft zunehmend Kredite verwährt bleiben. Die Spirale lässt sich so weiter fortsetzen.
Mit den aktuellen Augustzahlen ergibt sich zudem ein weiter düsteres Bild von der US-Wirtschaft. So sind nun die privaten Haushalte bereits höher verschuldet als das Bruttoinlandsprodukt ausmacht, d.h. ca. 14 Billionen US$. Die Dominosteine Kreditkarten (Juni 2008 waren bereits 4,03% in Verzug; ein Jahr zuvor waren es noch 2,9%), Autokredite, Leasinggeschäfte und letztlich der private Konsum dürften erheblich wackeln. Der in den Foren und in den Finanzzeitungen teilweise zu lesende Optimismus, kann von mir vorerst nicht geteilt werden. Ich denke das Schlimmste werden wir erst noch vor uns haben, auch wenn es Zwischenerholungen wenigstens an der Börse jederzeit geben kann.

Der aktuelle Marktüberblick gibt hier nochmals ein ungefähres Bild, was in den letzten Monaten eigentlich am Markt ausradiert worden ist. Dow-Jones hat zum Höchstkurs vom Oktober 2007 bisher 27% abgegeben, der DAX sogar bereits 33% und der MDAX bereits 47%. Von zu erwartenden Erholungsbewegungen kann bisher dennoch nicht die Rede sein, da bisher ein Abwenden einer globalen Finanzkrise noch nicht sichergestellt worden ist. Realwirtschaftliche Verwerfungen insb. durch die bestehende Kreditklemme können bereits nicht mehr ausgeschlossen werden. Auch weitere Mittelabflüsse in Zertifikaten und Fonds oder auch ein Banken-Run können die Märkte weiterhin unter erheblichen Druck setzen. Für Optimismus ist es erst dann wieder Zeit, wenn Erholungstendenzen am amerikanischen Häusermarkt zu sehen sind.

Die nächsten Monate werden aus meiner Sicht sehr ungemütlich auch im realwirtschaftlichen Umfeld. Zur Zeit scheint diese Meinung aber keine "Konsensmeinung" zu sein, was auch gut ist, da sich hier eine Prophezeiung schnell von selbst erfüllen könnte.
Dennoch erwarte ich in den nächsten Tagen eine kurze knackige Bärenmarktrallye. Ich hoffe dabei zu sein. Als Boden für diesen Rallye sehe ich das deutlich pessimistische Sentiment am Markt, die sehr geringen Investitionquoten bei den Professionals und die "scheinbar" sehr günstigen Bewertungen von Einzelunternehmen. Das diese Bewertungen schnell Makulatur sein können, dürfte bekannt sein. Die bisherigen geschätzten Ergebnisrevisionen von -25% sind allerdings vom Markt auch bereits eingepreist. Was bisher nicht "verarbeitet" worden ist, sind weitere Dominosteine.
Wie auch bereits eingangs geschrieben, bringt eine offene Grundhaltung mit der Suche nach Chancen im Short als auch im Longumfeld, eine gute Basis, um trotz des schwierigen Marktumfeldes Geld verdienen zu können. Ich träume dabei noch von einer 10% Welle die ich kontinuierlich surfen kann. Die Gewinne der letzten Monate sind sehr mühsam gewesen und immer wieder unterbrochen von Downpeaks.